Atelier Knorr-Kleine



Optische Wahrnehmung - Beispiele zum anschaulichen Denken!

Besonders in der bildenden Kunst manifestiert sich anschauliches Denken in seinen ausgeprägtesten Formen und da der bildende Künstler vorrangig mit dem Bereich der visuellen Wahrnehmung zu tun hat, ist die Auseinandersetzung mit komplexen Farb- und Formstrukturen, ihre Wirkungen und Darstellungsarten und ihre Beziehungen untereinander, eines der primären Arbeitsfelder, auf denen er seine Ideen und Vorstellungen zu verwirklichen sucht. Anschauliches Denken ist demnach eine spezielle Fähigkeit der visuellen Erkenntnis, die sich vom logischen Denken insoweit unterscheidet, als sie mit Bildinformationen arbeitet, die einfacher oder komplexer Art sein können. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht einer gewissen Logik entbehrt. Bildnerisches Denken enthält eine eigene Logik, die durch Wahrnehmungstraining relativ erlernbar ist. Da der bildende Künstler durch jahrelanges Wahrnehmungstraining diese Befähigung des anschaulichen Denkens entwickelt, ist er auch in der Lage, komplexe Prozesse des Visualisierens zu bewältigen und anschaulich sichtbar zu machen. Somit ist er in der Lage, ästhetische Bildwelten wahrzunehmen und optimal zu gestalten. ( Ästhetik wird hier in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet: aisthetike = die Lehre von den sinnlichen Wahrnehmungen.) Anzunehmen, dass nur Künstler in der Lage sind, anschauliches Denken zu erlernen und zu beherrschen, ist ein Irrtum. Jeder kann bis zu einem gewissen Grade einfache Zusammenhänge bildnerischen Denkens erlernen und sein Vorstellungsvermögen daran trainieren. Nicht umsonst ist, kreativ zu sein, eines der mächtigsten Antriebskräfte im Menschen und warum sollte nur der ausgebildete Künstler das Vorrecht haben als kreativer Mensch angesehen zu werden.
Viele bekannte Beispiele gibt es, durch die anschauliches Denken erklärbar wird und zahlreiche Übungen, einfacher oder komplexer Art, mit denen visuelles Wahrnehmen trainierbar und erlernbar ist.
Anhand einiger einfacher Beispiele soll der Versuch unternommen werden, diese vielschichtige Materie etwas zu veranschaulichen.

Beispiel 1 : Dallenbachsche Figur

 

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Vielen Menschen sind die mehrdeutigen Bilder bekannt, die in Form des Suchbildes den Betrachter immer wieder in der Wahrnehmung dessen, was er sieht oder auch zu erkennen glaubt, verblüffen. Eines der bekanntesten Bilder ist im Beispiel 2 das Enten- Kaninchen Suchbild, das den Betrachter in der visuellen Wahrnehmung nicht zur Ruhe kommen lässt, da es ihm visuell schwer fällt, sich für eine Interpretation zu entscheiden, da er in dem Bild abwechselnd einen Entenschnabel oder einen Kaninchenkopf sehen kann. Was ist es nun, beides oder nur eines?
Entscheiden Sie selbst.

Beispiel 2 : Ente oder Kaninchen

Ein bekanntes Beispiel anschaulichen Denkens ist das nach dem Mathematiker August Ferdinand Möbius benannte Möbius'sche Band. Möbius galt um 1800 als Pionier der später benannten Topologie, die als ein spezieller Zweig der Mathematik bestimmte Merkmale geometrischer Figuren untersucht.
Es bezeichnet eine Fläche, die durch ein rechtwinkliges Papierband entsteht, wenn dessen Enden um 180° verdreht und zu einer Schlinge zusammengeführt werden. Das Ergebnis ist dann eine zweidimensionale Fläche, die nur aus einer Seite besteht. Will man die Außenseite des Bandes kolorieren, so kann man solange weitermachen, bis die gesamte Oberfläche des Bandes gefärbt ist.

Möbiusband

 

 

© Text : H.W. Knorr - 2002

Möchte man mit dem Finger den oberen Rand umfahren, so zeigt sich, dass man nach zweimaligem Umrunden - ohne den Finger abzusetzen - wieder am Ausgangspunkt ankommt, und dabei alle Ränder der Figur berührt hat.
Wird das Band entlang der Mittellinie zerschnitten, entstehen erstaunlicherweise nicht 2 Bänder, sondern ein einzelnes, deren Seite verdreht ist. Aus der Sicht der visuellen Wahrnehmung und des anschaulichen Denkens lohnt es sich, dieses Beispiel einmal selbst praktisch nachzuvollziehen.



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©  Atelier Knorr-Kleine  -  Mönchengladbach 2000  -  Stand: 26-Feb-2012

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