Kreativität und Abbildung in der Malerei

Kreativität und Abbildung sind zwei Aspekte, die einerseits im scheinbaren Kontrast zueinander stehen, andererseits aber auch ein korrelatives Verhältnis zueinander haben. Wenn ein Portrait, eine Landschaft, ein Stillleben, usw. gemalt wird, so spielt sowohl die Abbildung formal eine wesentliche Rolle, als auch der künstlerische Aspekt, der mehr die inhaltliche und kompositorische Bildidee berücksichtigt. Welcher Aspekt überwiegt, entscheidet letztendlich der Künstler selbst, vorausgesetzt, er beherrscht sowohl die Fähigkeit abzubilden, als auch kreativ zu gestalten. Die Summe aus beiden ist die künstlerische Gestaltung. Jedes Sujet und jede Idee ist visuell darstellbar, sowohl als Abbild als auch durch einen Prozess der künstlerischen Gestaltung. Oftmals dient die Natur dabei als Vorbild, entweder um sie abzubilden oder um sie künstlerisch weiter zu formen. Die künstlerische Kreativität sollte sich dabei nie auf die reine Abbildung beschränken, vielmehr über sie hinausgehen. Inwieweit die Natur dann als Vorbild und Abbildung malerisch und grafisch dabei berücksichtigt wird, ist eine Ermessensfrage, wenn das Endergebnis eine künstlerische Aussage beinhaltet.


Als beispielsweise die Impressionisten eine neue Naturauffassung suchten, strebten sie nach neuen Bildaussagen, die die optischen Aspekte in der Natur hintergründig sichtbar machen sollten. Daraus entstand eine Lichtmalerei, die eine gänzlich neue Farbpalette entwickelte. Monet, einer der bedeutendsten Repräsentanten des Impressionismus vollzog diesen Aspekt besonders in seinen Seerosenbildern konsequent und schuf Bildwerke in reinen Farb- und Formabstraktionen, die weit über den Naturalismus hinausgingen. Die Natur war sein Vorbild, aber er vertiefte sie, indem er vom Vorbild ausging und es durch seine künstlerische Gestaltung transformierte. Seine außergewöhnliche Begabung der kreativen Gestaltung, die er stetig vervollkommnete, ermöglichte es ihm, weit über die reine Abbildung hinauszugehen, um Bildideen zu realisieren, die tiefgründig und außergewöhnlich sind.

 

 

 

In der heutigen Zeit gibt es so viele bedeutende Kunststile, dass es nicht immer einfach ist zu unterscheiden, was Nachahmungen von Kunststilen s26.02.2012lten ist. Die Grenzen sind fließend und oftmals nicht klar. Leider scheint sich in vielerlei Hinsicht heute, besonders im künst26.02.2012e format:Ge1 -->26.04.2009lich nachgeahmte Kunst als neue Kunstware anbietet. Alles ist erlaubt was gefällt und wenn damit kommerzieller Erfolg erreicht wird, scheint es seinen Zweck zu erfüllen. Wert oder Unwert der Kunst wird im Allgemeinen nach finanziellen Aspekten beurteilt. Das bedeutet, Kunst die heute mit dem Prädikat wertvoll eingestuft wird, kann morgen schon wertlos sein. Die eigentliche Kunstszene wird dadurch oftmals vernachlässigt und sogar von sogenannten Fachleuten nicht immer richtig eingeschätzt, weil 26.02.2012eitdokumente vermitteln soll, ohne im Einzelnen tatsächliche Kreativität von Nachahmungen zu unterscheiden, zumal arrivierte Künstler und Kunstkritiker des Öfteren befangen sind und nicht immer im Dienste der Kunst urteilen. Das war in früheren Zeiten so und hat sich heute auch nicht großartig geändert.

 

 

 

Ein herausragender Künstler des 20. Jahrhunderts war Picasso, bekannt vor allem durch die Vielfältigkeit seiner künstlerischen Gestaltung. Man kann über den Wert oder Unwert seiner künstlerischen Arbeiten streiten, aber seine ungewöhnliche Begabung künstlerischen Gestaltens war auffallend und ist unzweifelhaft. Indem er u.a. vielfältige Wege in der Malerei beschritt, konnte er seine Gestaltungsfähigkeiten vervollkommnen und mit ihnen jonglieren. Die Abbildung durch die Malerei beherrschte er schon als Jugendlicher und wen verwundert es, dass sein kreativer Ehrgeiz ihn zu künstlerischen Gestaltungen drängte, die ungewöhnliche Ergebnisse hervorbrachten. Er war so geschickt im Umgang mit den elementaren Bausteinen der Malerei, dass er es sich erlauben konnte, mit ihnen zu spielen und Variationen auszuarbeiten, die viele Künstler inspirierten. Auch er lernte die elementaren Grundlagen auf denen er aufbaute und befreite sich von der Abbildung gänzlich, obwohl er die Natur mit ihren formalen Inhalten immer noch als Vorbild benutzte, aber nicht mehr um der Nachahmung Willen, vielmehr um mit ihr in den Möglichkeiten der kreativen Gestaltung zu spielen. Er dokumentierte einen künstlerischen Werdegang, der ungewöhnliche Ideen zu Tage brachte.

Ein weiterer herausragender Künstler des 20. Jahrhunderts ist Kandinsky, der sich im Vergleich zu Picasso radikal und programmatisch vom Vorbild und der Abbildung löste und einen eigenständigen Kunststil kreierte, die uns heute bekannte 'Abstrakte Kunst'. Seine Vorstellung war eine konsequente Loslösung von der Natur und eine ideelle Auseinandersetzung mit den elementaren Bausteinen künstlerischen Gestaltens, die er in seinen abstrakten Kompositionsbildern vielfach zum Ausdruck brachte. Seine grundlegenden Gestaltungselemente waren Punkt - Linie - Strich - Fläche und Farbe, die er meisterhaft in künstlerische Bildideen umsetzte.
Jede Kunstepoche hatte ihre Schwerpunkte in der künstlerischen Gestaltung und es sollte im Interesse des Schaffenden sein, gewisse Aspekte, die im Schöpferischen liegen zu beherrschen, zu vertiefen, zu vervollkommnen und die Möglichkeiten künstlerischen Gestaltens zu ergründen und auszuloten. Abbildung und reine Nachahmung mögen zu Beginn hilfreich sein, aber wenn ein künstlerischer Anspruch erhoben wird, sollte dabei nicht Halt gemacht werden.

 

 

 

Das bedeutet aber nicht, dass Bilder automatisch einen künstlerischen Anspruch enthalten, wenn sie gegenstandslos gemalt werden. Oftmals wird gegenstandslos gemalt, weil es nicht anders beherrscht wird. Gute abstrakte Malerei bedarf ebenso guter kreativer Gestaltung, wenn sie künstlerischen Ansprüchen gerecht werden will (wie gegenständliche Malerei). Das Arbeitsfeld künstlerischen Gestaltens ist fast grenzenlos und die abendländische Kunstgeschichte weist nach, das es zu allen Zeiten großartige Künstler und Kunsthandwerker gab, die bemerkenswerte künstlerische Gestaltungen als auch überdurchschnittliche künstlerische Abbildungen schufen, die besondere Atmosphären beinhalten und ausstrahlen. ©  H.W. Knorr - 2002

 

© Text: H.W. Knorr - Mönchengladbach - 2001
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