Liniengestaltung in der Kunst

"Die Linie ist eine Bewegungsspur, ein bildnerisches Mittel des Maßes."
Nach Paul Klee (1879 - 1940) gibt es die:

aktive Linie - autonome Linie oder freie Spur
mediale Linie - Kontur oder Umrißlinie
passive Linie - Grenze zwischen Flächen

Komponenten der Bildenden Kunst
In jeder künstlerischen Gestaltung sind Elemente enthalten, die offensichtlich oder verborgen zum Ausdruck kommen. Kenntnisse im Umgang mit den Elementen der bildenden Kunst zu besitzen, ist insoweit hilfreich, da sie die Vielfalt kreativen Gestaltens fördert und erleichtert.
Für den bildenden Künstler ist es deshalb nicht uninteressant zu wissen, aus welchen Grundformen einzelne Bildelemente aufgebaut sind und abgeleitet werden, um formale Bild- zusammenhänge im Bildaufbau besser verstehen und gezielter einsetzen zu können. Im Allgemeinen besteht der Grundaufbau eines Bildes immer aus Punkten, Flecken, Linien und Flächen, die in der jeweiligen Zusammenstellung Körper und Räume darstellen und von der Geo-und Stereometrie ableitbar sind. Da der Künstler auf einer zweidimensionalen Ebene gestaltet, sollte ihm auch das Kunststück gelingen, dem Betrachter die Illusion von Körper und Raum zu vermitteln, wenn er mit Hilfe von Farben und Formen Objekten, Gegenständen, Figuren oder Landschaften darstellen will. Es sei denn, er beschränkt sich auf die Darstellung des Flächenhaften. Auch dazu sind die Grundlagenkenntnisse notwendig, wenn bewusst, methodisch und kontrolliert, entsprechende Resultate erzielt werden sollen. Natürlich kann man auch spontan und intuitiv Bilder gestalten und alle Kenntnisse über Kunst ablehnen, was sicherlich mitunter interessante Ergebnisse hervorbringen kann. Kreativität und anwendbares Wissen in der vielfältigen Bildgestaltung sind unabdingbare Voraussetzungen jedes künstlerischen, schöpferischen Werkes. Die Komponenten der bildenden Kunst sind das A-B-C schöpferischen Gestaltens.

Vom Punkt zur Linie
Geometrisch betrachtet, ist der Punkt ein Gebilde oh26.26.02.2012t er etwas Materielles, eine kleinste Grundform, die als Tüpfelchen oder sehr kleiner Fleck gesehen werden kann, welcher den Anfang formaler Gebilde darstellt. Aus dem Punkt entwickelt sich ein eindimensionales Gebilde ohne Querausdehnung, die Linie, die ein längerer oder sich abzeichnender Strich ist. Sowohl aus dem Punkt, als auch aus der Linie sind zahlreiche weitere Formengebilde gestaltbar.

Da der Punkt, bildnerisch gesehen, die kleinste Elementarform ist, gibt es weder einen kleinen noch großen Punkt. Sobald er als etwas Gro&sz26.02.2012Fleck, ein Klecks, ein kleiner Kreis oder irgendein flächiges Gebilde. Nach Leonardo ist er der Anfang zur Wissenschaft der Malerei.

Verschiedene Wesensarten der Linie
Das erste sichtbare Zeichen, wenn der Künstler seinen Bleistift oder Pinsel einsetzt, ist der gemalte oder gezeichnete Punkt. Aus der Dynamik heraus entwickeln sich vielgestaltige Linien und Flächen, die ein Bildwerk zum Ausdruck bringen. Der Punkt ist somit Anfang jeglicher Bildgestaltung und aus dem Punkt sind zahlreiche Linienarten ableitbar. Die Linienwelt ist so mannigfaltig, dass es ratsam erscheint, sich auf die Wesentlichsten zu beschränken. Die Bekanntesten sind gerade, gebogene, dicke, dünne, unterbrochene, lange, kurze, helle, dunkle, zu- und abnehmende, farbige, zirkuläre, diagonale, horizontale, vertikale Linien.

Aus der Linienvielfalt sind zahlreiche Kompositionen möglich, aus denen zeichnerische Bildwerke entstehen. Besonders lohnenswert ist es für den bildenden Künstler, sich eingehender mit der Ästhetik der Materie zu befassen, wenn er ihre dynamische Wesensart besser verstehen möchte.

Vom Punkt- zur Linie- zur Linienkomposition
Der Punkt ist immer die erste sichtbare Form, aus der sich Linien und Flächen ableiten. Die gerade und die zirkuläre Linie sind die elementarsten Linienarten, aus der alle nur er-denkbaren Formcharaktere entwickelbar sind. Jede Linienform ist modifizierbar. Die Linienkomposition ist aus Punkten und verschiedenen Linienarten zusammengestellt. Die einfachste und elementarste Komposition mit Linien ist die, sie zu Flächen zu gestalten.

Von der Linie zur Fläche
Da die Fläche eine zweidimensionale Ebene ist, ist die Linie eher eindimensional und beide stehen in einem engen Verhältnis zueinander. Die Grenze von dem, was noch als Linie oder schon als Fläche gesehen werden kann, ist fließend. Z. B. kann eine breite Linie als Fläche und eine schmale Fläche als Linie betrachtet werden. Ab wann sind nun Linien als grundlegende Flächen zu sehen? Hierbei hilft uns die Geometrie weiter, die sich mit den Gebilden der Ebene befasst. Immer dann, wenn Linien sich überschneiden, verbinden oder als Konturen erkennbar sind und wenn Linien eine eindeutige Längen- und Breitenausdehnung haben, sind sie Flächenformen.

Aus den horizontalen-vertikalen Linien wird ein Quadrat oder Rechteck, aus Diagonalen das Dreieck und aus der zirkulären Linie der Kreis. Jede dieser Linien stellt einen einheitlichen Formcharakter dar.

Wenn Linien sich überschneiden, berühren, verbinden oder als Konturen eingesetzt werden, bilden sie unterschiedlichste Flächenformen. Linien, wenn sie komplex gestaltet werden, bilden immer offene oder geschlossene Flächen.

Flächen werden immer durch Konturen gekennzeichnet und Konturen bilden ein-gegrenzte Flächen. Jede Flächenform ist durch die Umrisslinie definierbar. Während die Linie von der Fläche unabhängig sein kann, solange sie keine definierbare Fläche darstellt, wird die Flächenform durch die Umrisslinie geprägt. Der Übergang von der Linie zur Fläche ist fließend.

Die Welt ist voller Linien und dass sie ausdrucksvoll sein können, ist unbestreitbar. Sie können expressiv, dynamisch, lebendig, heiter aber auch gefühlvoll sein und sie sind eine der wichtigsten Gestaltungselemente in der bildenden Kunst. Zum Beispiel bilden sie im Scherenschnitt mit der Fläche eine perfekte Synthese, im Jugendstil zeigen sie sich von ihrer verspielten und dekorativen Seite. Durch viele Kunstwerke präsentieren sie sich als komplexes und variationsreiches Element. Kandinsky hat z.B. intensiv die Zusammenhänge und Charakteristiken von Punkt, Linie und Fläche untersucht. Jede Kultur hat eigene Liniencharaktere entwickelt, die sich durch besondere Merkmale kennzeichnen. Desgleichen ist es auch mit der Linienhandschrift der Künstler und der individuellen Handschrift der Menschen, durch die ihre Persönlichkeiten gekennzeichnet werden. Es ist hochinteressant, die Welt der Linien, Flächen und Punkte eingehender zu untersuchen, wenn sie zu künstlerischen Zwecken eingesetzt werden und es gibt noch einige andere Aspekte über sie, die aber hier nicht berücksichtigt wurden.

© H.W. Knorr 2002

© Text: H.W. Knorr - Mönchengladbach - 2001
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