Die Qualität der Zeichnung
Was macht eigentlich eine gute Zeichnung aus? Wann ist sie künstlerisch als qualitativ gut und wertvoll einzuschätzen? Sicherlich sind solche Fragestellungen per verbaler Definition schwerlich zu beantworten und entziehen sich eher einer Urteilsfindung, wenn vorrangig subjektives Gefallen und Missfallen die Urteilsbegründung bestimmen. Bekannt ist, dass die Kunst des Zeichnens eine der ältesten und spontansten Ausdrucksformen menschlicher Natur ist und immer wieder eine systematische Auseinander-setzung mit ihr stattfindet, die nach klärenden Definitionen sucht, um das Phänomen Zeichnen durch Qualitätskriterien verständlich zu machen.
A priori ist heute jedem bekannt, was eine Zeichnung ist und wie sie entsteht. Wenn sie aber als künstlerisches Produkt gesehen wird, gibt es darüber unterschiedliche Auffassungen. Ob es ausreicht allein „Striche zu zeichnen“, um sie als künstlerische Zeichnung zu deklarieren, ist schwer zu beurteilen, wenn sie nicht als lineares Gebilde verstanden wird, das eine Bildaussage zum Ausdruck bringt. Aus Unkenntnis werden leider sehr schnell Urteile gefällt, ob eine Zeichnung als qualitativ gut oder nicht gut einzuordnen ist.

Demnach bedarf es schon einiger hinweisender und verständlicher Kriterien, wenn vernünftige Beurteilungen gefunden werden wollen. Dass das Zeichnen ohne künstlerischen Ausdruck auch ansprechend sein kann, ist nachvollziehbar.

Die Erfahrung aber lehrt uns, dass folgende Qualitätsorientierungen, die niemals zwingend sein sollten, notwendig sind, um systematische Einordnungen zu ermöglichen:
- Beharrlichkeit und Entschlossenheit des Künstlers sollte erkennbar sein.
- Jeder Strich sollte aus der Aufgabe der Zweckmäßigkeit entstehen und nicht nur dekorativ sein.
- Proportion, Fläche und Raum müssen gekonnt zu bewältigen sein.
- Die Fähigkeit Spannung zu gestalten, bei größtmöglicher Vielheit auch die stärkste Einheit zu erreichen, sollte zum Ausdruck kommen.
In der praktischen Auseinandersetzung mit Zeichnungen sind diese Aspekte nachvollziehbar, wenn gute Zeichnungen mit weniger guten verglichen werden. Häufig auffallend sind bei weniger guten Zeichnungen die Unsicherheit in der Strichführung und die mangelnde Fähigkeit das Kräftefeld der Fläche zu beherrschen. Die Elemente bilden dann keine Einheit, unnötige Striche bringen keine Entschiedenheit und Zweckmäßigkeit zum Ausdruck und werden eher dekorativ eingesetzt.
Die Suche und Feststellung Qualität in der Zeichenkunst zu finden, bedarf langjähriger Erfahrungen durch ständiges Vergleichen.

©  H.W. Knorr - 2004

© Text: H.W. Knorr - Mönchengladbach - 2001
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