Er bewunderte die romantische Malerei,
vor allem Millet.

Er setzte sich leidenschaftlich mit den
Kunstströmungen seiner Zeit auseinander.

Er lernte von den japanischen Holzschnitten.

Er lernte von den alten Meistern,
indem er sie kopierte.

Er entwickelte sich vom anfänglichen Dilettantismus zur starken Ausdruckskunst.

Er war vom Ideal getrieben, dass Kunst eine Mission haben muss.

 

 

Vincent van Gogh (1853-1890), gehört zu jenen genialen Künstlern, die in der Neuzeit außerordentliche Aufmerksamkeit erfahren und einen hohen Stellenwert in der Kunsthistorik einnehmen. Wurde er in seiner Lebenszeit von der breiten Öffentlichkeit völlig verkannt, so genießt er heute jenes Ansehen, das er verdient. Er führte ein ungewöhnliches und leidenschaftliches Leben, immer auf der Suche nach seiner Sinngebung. Vergleichsweise spät entschloss er sich, sein Leben ganz der Malerei zu widmen und besuchte ab Oktober 1880 etwa ein halbes Jahr die Kunstakademie in Brüssel. Doch schon bald widmete er sich wieder seinen autodidaktischen Studien, da er den Lehrbetrieb ablehnte. Über sein Leben ist viel bekannt und viel geschrieben worden.

"Die Kartoffelesser" - 1885

1853 wurde Vincent van Gogh in Groot-Zundern in Holland geboren, begann 1869 eine Lehre in der Haager Filiale der Kunsthandlung Goupil, die ihren Stammsitz in Paris hatte. Allerdings wurde er 1876 entlassen, weil er die gängige, akademische Kunst ablehnte. Sein Missionsdrang und die Auseinandersetzung mit religiösen Fragen bestärkte ihn darin, zumal sein Vater protestantischer Pfarrer war, ebenfalls Geistlicher zu werden. Jedoch brach er das Theologiestudium nach einem Jahr wieder ab, da er an der lateinischen und griechischen Sprache scheiterte und besuchte stattdessen in Brüssel eine Missionsschule. Auch dort war sein Aufenthalt schon nach einem halben Jahr beendet, wegen Unvereinbarkeiten.
Mehrere schwere Lebenskrisen kennzeichnen van Goghs Leben, aber ein unstillbarer Drang, der auch selbstzerstörerischen Charakter besaß, quälte ihn und trieb ihn weiter voran und in der Malerei fand er seine Erfüllung.

"Dächer" - Aquarell - Blick vom Atelier van Goghs am Schenkweg - 1882

Vor allem war sein Naturell so angelegt, dass er von wechselnden Stimmungen getrieben wurde, sodass die Malerei für ihn zu einem Refugium wurde, die ihm bei der Selbstfindung half.
1886 ließ er sich in Paris nieder, wo sein Bruder Theo, der ihn zeitlebens unterstützte, eine Kunsthandlung leitete. Er studierte dort die Freilichtmalerei der Impressionisten und er lernte von den japanischen Holzschnitten, deren helles Kolorit er übernahm, denn bis dahin war seine Farbpalette braun und eher dunkel. Seinen endgültigen Malstil fand er in Arles, einer lichtdurchfluteten Landschaft des Südens. Nun begann seine Malerei sich durch einen kraftvollen Pinselstrich und dick aufgetragene Farben auszudrücken. Er entwickelte einen Malstil, der seinem leidenschaftlichen Temperament entgegenkam. Seine Begegnung mit Gauguin (1888), einem wesensverwandten Temperament, aber mit zu unterschiedlicher Lebensanschauung, wurde jäh nach kurzer Zeit durch heftige Streitigkeiten beendet.

"Tor zum Bauernhof" - 1888

 

Die berühmte Szene mit dem abgeschnittenen Ohrläppchen ist ohnehin bekannt und auch eine geistige Verwirrung mit zunehmenden Ohnmachtsanfällen, Depressionen und Halluzinationen ebenfalls, die ihn aus eigenem Entschluss in die Irrenanstalt von Saint-Rémy brachten. Auffallend und bemerkenswert ist trotzdem, dass er in seinem letzten Lebensjahr, bevor er 37jährig an einem Selbstmordversuch verstarb, noch über 200 Bilder malte, die einen äußerst beeindruckenden Malstil zum Ausdruck bringen.

"Landschaft mit Olivenbäumen" - 1887

 

"Vincents Schlafzimmer" - 1889

"Weg und Treppe in Auvers" - 1890

 

"Sternennacht" - 1889

Seine Bilder kennzeichnen sich durch einen Duktus, der bewegt, unruhig und temperamentvoll ist, aber auch durch geordnete Strukturen ein stabiles Gefüge vermittelt. Nur ein Bild von 400 Francs verkaufte van Gogh zu seinen Lebzeiten und heute gehört er mit zu den hochdotiertesten Künstlern der Kunstgeschichte. Van Gogh führte ein ruheloses Leben, das bis zu seinem Lebensende anhielt Bemerkenswert ist, dass er in einem Zeitraum von etwa 16 Jahren ein Werk von 1700 Bildern hinterließ, das außergewöhnlich ist und eine nachhaltige Wirkung ausübt. Seine Malerei ebnete den Weg, neben Gauguin und Cézanne, in die Moderne und ohne Zweifel ist er als Ahnherr der Expressionisten zu sehen

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© Text: H.W. Knorr - 2003
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© Die Bilder wurden dem CD-Rom-Bildkatalog "5555 Meisterwerke"
DIRECTMEDIA Publishing GmbH - Berlin entliehen.